Ein Kräutergarten in der Wohnung

Katrin Roth

Indoor-Farming macht grüne Träume wahr

Egal, ob vom Balkon oder aus dem Wohnzimmer: Kräuter und Gemüse aus eigener Zucht sorgen für die nötige Würze auf dem Teller – und auch im Leben.

Mutter und Kind beim einpflanzen
Foto: Getty Images

Rund 330 Kilo betrug die jährliche Ernte des Küchengartens, den Michelle Obama im Jahre 2009 mit Hilfe von Schulkindern angelegt hatte. Einerseits, um die Bewohner des weissen Hauses regelmässig mit frischem Gemüse zu versorgen und anderseits, weil die damalige First Lady ihren Landsleuten eine gesunde Alternative zum Fast Food schmackhaft machen wollte.

Kräuteranbau in den eigenen vier Wänden

Was aber, wenn für den eigenen Kräuter- oder Gemüsegarten die nötige Fläche fehlt? Kein Problem, meinen die Fans von Indoor-Farming, eines neuartigen Verfahrens, bei dem die Kultivierung von Pflanzen mithilfe moderner Technik nach drinnen in ein kleines Gewächshaus verlegt wird. Dort werden die Pflanzen über Schläuche mit Wasser und Nährstoffen versorgt, spezielle LED-Lampen sorgen für Licht und kleine Ventilatoren für die optimale Belüftung der Pflanzen.

Möglich ist aber natürlich auch der traditionelle Anbau von Kräutern und Gemüse im Topf oder Blumenkasten, sei das auf dem Küchentisch, dem Balkon oder der – am besten südlich oder westlich ausgerichteten – Fensterbank. Besonders gut dafür geeignet sind Tomaten, Lauch- und Zwiebelgewächse, Radieschen, Erbsen, Bohnen, Gurken, Erdbeeren sowie Gewürze wie Basilikum, Dill, Schnittlauch, Pfefferminze oder Kresse. Sogar Exoten wie die Passionsfrucht gedeihen in den eigenen vier Wänden oder auf dem Balkon, sofern man gewisse Regeln beachtet.

Blumenkasten – am besten südlich oder westlich ausgerichtet
Blumenkasten – am besten südlich oder westlich ausgerichtet / Foto: Getty Images

Tipps für die Pflanzenzucht daheim

So muss zum Beispiel der Topf oder Kübel unbedingt zur Pflanze passen, die man anbaut. Wurzelgemüse wie Karotten oder Kartoffeln brauchen mehr Platz als Gemüsesorten mit flachen Wurzeln wie Kräuter, Salate, Tomaten oder Erbsen, die relativ wenig Erde benötigen. Als Faustregel gilt: der Pflanzenbehälter sollte 1.5- bis 2-mal so tief sein wie die Wurzeln. Für die Aussaat eignen sich am besten Keramik-, Stein- oder Terracotta-Gefässe, wobei man für eine regelmässige Ernte am besten immer wieder kleinere Mengen anpflanzt.

Faustregel: der Pflanzen- behälter sollte 1.5- bis 2-mal so tief sein wie die Wurzeln.
Foto: IN-Media

Es lohnt sich ausserdem, die verschiedenen Pflanzen aufeinander abzustimmen. Basilikum und Tomaten etwa passen nicht nur auf dem Teller, sondern auch im Topf gut zusammen, während Tomaten und Kartoffeln aufgrund ihres ähnlichen Nährstoffbedarfes besser nicht nebeneinander angepflanzt werden. In jedem Fall brauchen alle Pflanzen genügend, aber nicht zu viel Wasser. Zur Kontrolle empfiehlt sich der Test per Finger in der Erde: Fühlt sie sich feucht an, ist alles gut, ansonsten muss der Bewässerungsrhythmus angepasst werden.  

Der Traum vom eigenen Gemüse ist also auch für Stadtbewohner in beengten Verhältnissen möglich, auch wenn solche Hobbygärtner natürlich nicht mit einer Ernte von über 330 Kilo pro Jahr rechnen dürfen. Aber für eine schmackhafte sowie gesunde Ernährung reicht es allemal.

Kräuter aufbewahren

Am besten schmecken Kräuter ganz frisch. Zur Aufbewahrung eignen sich ein mit Wasser gefülltes Glas oder ein Kunststoffbehälter im Kühlschrank. Möglich ist es auch, die Kräuter nach der Ernte zu zerkleinern und anschliessend in einem Eiswürfelbehälter im Gefrierschrank aufzubewahren.

Welche Kräuter eignen sich wofür

Ganz grundsätzlich gilt: Experimentieren Sie mit frischen Kräutern, bis Sie die optimalen Geschmackskombinationen für sich entdeckt haben. Die frischen Kräuter lassen sich zum Beispiel gut mit einer Bouillon kombinieren, die für viele Gerichte als Gewürzgrundlage verwendet werden kann.

  • Fleisch und Fisch: Zu deftigen Gerichten mit Lamm oder Rind schmecken Bohnenkraut, Oregano, Rosmarin, Thymian oder Liebstöckel besonders gut. Bei zartem Fleisch und Fisch passen Kräuter wie Dill, Koriander, Petersilie oder Kerbel. Raffiniert: Frische Minze in der Joghurtsauce als Beilage zu Lammfleisch.
  • Gemüse: Mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Basilikum, Thymian, Salbei und Oregano eignen sich zum Würzen von Gemüsegerichten mit Kartoffeln, Zucchini, Aubergine oder Tomate. 
  • Desserts: Früchte und andere Süssspeisen erhalten durch Zitronenmelisse oder Pfefferminze das gewisse Etwas.