Stille Entzündungen im Körper verstehen
Entstehung, Anzeichen, Einflüsse
Stille Entzündungen gelten als möglicher Treiber vieler, oft alterstypischer Erkrankungen, bleiben aber häufig lange unbemerkt. Wir verraten Ihnen, wie sie entstehen und sich äussern können ‒ und welche Rolle der Lebensstil dabei spielt.
Nicht alle Entzündungen im Körper machen sich bemerkbar. Manche verlaufen ohne eindeutige Anzeichen und bleiben dadurch lange Zeit unentdeckt. Da sie den Körper jedoch über die Jahre belasten und das Risiko für viele alterstypische Erkrankungen erhöhen können, rücken sogenannte stille Entzündungen zunehmend in den Fokus der Forschung. Wir erklären, wie sie entstehen, woran Sie sie erkennen und welche Faktoren Sie selbst beeinflussen können.
Was sind stille Entzündungen und wie entstehen sie?
Entzündungen sind grundsätzlich eine sinnvolle Schutzreaktion des Körpers. Sie helfen dabei, Krankheitserreger abzuwehren oder Gewebe zu reparieren, und klingen meist nach kurzer Zeit wieder ab. Stille Entzündungen hingegen verlaufen über lange Zeit ohne typische Symptome wie Schmerzen, Rötung oder Fieber und bleiben so oft unentdeckt.
Solche niedriggradigen, chronischen Entzündungsprozesse führen dazu, dass das Immunsystem dauerhaft aktiviert ist. Der Körper befindet sich also permanent in einem unterschwelligen Alarmzustand, der den Organismus kontinuierlich belastet.
Doch wie entstehen stille Entzündungen? Nun, mit zunehmendem Alter verändert sich das Immunsystem: Es reagiert häufiger entzündlich und reguliert sich zugleich schlechter als früher. Das liegt unter anderem an einer weniger effizienten Energieproduktion der Zellen, einer Zunahme von gealterten Zellen sowie Veränderungen im Darm, die entzündliche Botenstoffe (sogenannte proinflammatorische Zytokine) freisetzen. Darum spricht die Wissenschaft auch häufig von «Inflammaging», sinngemäss übersetzt mit dem Begriff «Entzündungsaltern».
Forschende bringen dieses dauerhaft erhöhte Entzündungsniveau mit einer Reihe alterstypischer Erkrankungen in Verbindung, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Atherosklerose, Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes, neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, chronische Knochen- und Gelenkerkrankungen wie Osteoporose und Arthritis sowie bestimmte Krebsarten. Aber auch das Risiko für Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oder chronische Darmentzündungen wie Morbus Crohn könnte damit zusammenhängen.
Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass stille Entzündungen das Immunsystem insgesamt weniger leistungsfähig machen. Beispielsweise können Impfungen im Alter weniger wirksam sein, wenn die Immunantwort schwächer ausfällt.
Woran lassen sich stille Entzündungen erkennen?
Da die klassischen Anzeichen bei stillen Entzündungen nicht auftreten, ist ein Erkennen entsprechend schwierig. Es sind eher unspezifische Beschwerden, die auf unbemerkte Entzündungsprozesse hinweisen können. Dazu gehören unter anderem anhaltende Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Konzentrationsprobleme, diffuse Muskel- oder Gelenkschmerzen, Verdauungsbeschwerden oder eine erhöhte Infektanfälligkeit, eventuell mit deutlich längeren Erholungszeiten.
Diese Symptome können jedoch neben stillen Entzündungen auch andere Ursachen haben. Darum setzt die Medizin auf weitere Diagnostik, zunächst häufig in Form von Blutuntersuchungen. Dabei können etwa Laborwerte wie hsCRP (hochsensibles C-reaktives Protein) Hinweise auf entzündliche Prozesse liefern, sollten aber nicht isoliert betrachtet werden. Weiterführende Blutanalysen mit geeigneten Markern sowie Stuhluntersuchungen oder bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können bei der Diagnose unterstützen.
Auch wenn es herausfordernd sein kann, stille Entzündungen im Körper festzustellen, ist es wichtig, Anzeichen ernst zu nehmen und medizinisch abklären zu lassen. Denn es gibt einige Möglichkeiten, den Dauerstress für das Immunsystem zu reduzieren ‒ und damit auch das Risiko für dadurch begünstigte Krankheiten.
Ernährung, Bewegung, Schlaf: Welche Einflussfaktoren gibt es?
Auch wenn der Ausdruck Inflammaging den Gedanken nahelegt, dass stille Entzündungen auf das Altern zurückzuführen sind, so zeigen aktuelle Studien, dass Umgebung und Lebensstil eine wesentliche Rolle bei der Entstehung entzündlicher Prozesse einnehmen. So scheinen westliche Gesellschaften eher vom Entzündungsaltern betroffen zu sein als etwa indigene Bevölkerungsgruppen.
Das bedeutet, dass es vor allem in Industrieländern Lebensstilfaktoren gibt, die Einfluss auf das Entzündungsgeschehen im Körper haben. Zurzeit gehen Wissenschaftler davon aus, dass unter anderem Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress eine Rolle spielen. Es ist schon länger bekannt, dass etwa ein erhöhter Konsum von Zucker, Weissmehl, gesättigten Fetten und stark verarbeiteten Lebensmitteln die Entstehung von klassischen und stillen Entzündungen im Körper fördern kann. Übergewicht, Bewegungsmangel und ein damit oft einhergehender Verlust an Muskelmasse können sich ebenso ungünstig auswirken wie chronischer Stress oder ein gestörter Schlaf.
Das Gute an diesen Erkenntnissen ist: Die genannten Faktoren können wir selbst beeinflussen. Halten Sie dazu am besten Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Ergänzend geben wir Ihnen praktische Tipps, was Sie bei stillen Entzündungen im Körper tun können.