Sonnenschutz-Mythen im Check
Welche Tipps sind wirklich sinnvoll?
Im Schatten braucht man keine Sonnencreme, ein hoher Lichtschutzfaktor schützt den ganzen Tag und gebräunte Haut beugt Sonnenbrand vor. Stimmen diese Aussagen wirklich? Wir haben für Sie gängige Sonnenschutz-Mythen unter die Lupe genommen.
Wie steht es bei Sonnencreme vom Vorjahr um die Haltbarkeit?
Einer der bekanntesten Sonnenschutz-Tipps besagt, dass man Sonnencreme jedes Jahr neu kaufen sollte. Aber können Sie die Sonnencreme vom Vorjahr wirklich nicht aufbrauchen oder gehört die Aussage ins Reich der Sonnenschutz-Mythen?
Auch wenn es wie ein Marketing-Trick klingt ‒ im Allgemeinen ist es tatsächlich nicht ratsam, geöffnete Sonnencreme aus dem Vorjahr weiterzuverwenden. Das hat mehrere Gründe: Zum einen können sich die enthaltenen Stoffe durch den Kontakt mit Sauerstoff, Wärme, Licht oder Feuchtigkeit verändern und dadurch keinen ausreichenden UV-Schutz mehr bieten. Zum anderen haben Wissenschaftler festgestellt, dass chemische UV-Filter wie das sogenannte Octocrylen dazu neigen, sich bei längerer Lagerung in möglicherweise krebserregende Stoffe zu zersetzen. Anders ist das übrigens bei mineralischen UV-Filtern, die als chemisch stabiler gelten.
Unabhängig von den Inhaltsstoffen ist es also sinnvoll, bei Sonnencreme auf die Haltbarkeit nach dem Öffnen zu achten. Diese wird in der Regel mit einem Tiegel-Symbol und der Monatsanzahl angegeben. Nach Ablauf dieses Zeitraums, aber auch dann, wenn sich Konsistenz, Farbe oder Geruch auffällig verändert haben, sollten Sie das Produkt durch ein neues ersetzen.
Je höher der Lichtschutzfaktor, desto besser der Schutz?
Viele Menschen greifen zu Produkten mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF), weil sie sich davon einen besseren Schutz vor schädlichen UV-Strahlen erhoffen. Aber der Lichtschutzfaktor wird in seiner Bedeutung oft missverstanden: Die Zahl sagt nichts darüber aus, wie «gut» die Sonnencreme schützt, sondern um welchen Faktor sich die Zeit verlängert, in der Sie Ihre Haut der Sonne aussetzen können, ohne dass sie geschädigt wird.
Die Eigenschutzzeit hängt vom individuellen Hauttyp ab: Bei sehr heller Haut beträgt sie etwa 10 Minuten, bei sehr dunkler Haut sind es rund 90 Minuten. Diese Zeit wird durch das Auftragen von Sonnencreme entsprechend dem Lichtschutzfaktor verlängert: LSF 30 etwa erhöht die Eigenschutzzeit um das 30-fache.
Kein Wunder also, dass Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 zu den Sonnenschutz-Tipps gehört. Denn man könnte aus dem hohen LSF schliessen, dass er die Haut den ganzen Tag schützt. Das ist aber nur unter zwei Voraussetzungen der Fall: Sie müssen das Sonnenschutzmittel auch in ausreichender Menge auftragen. Das können bei Erwachsenen je nach Körpergrösse um die vier Esslöffel Sonnencreme sein. Des Weiteren müssen sie etwa alle zwei Stunden nachcremen, um den Schutz auch bei Bewegung, Schwitzen oder Wasserkontakt aufrechtzuerhalten. Verlassen Sie sich also nicht nur auf den Lichtschutzfaktor.
Sonnenschutz unnötig: Wird man im Schatten überhaupt braun?
Die Behauptung, dass im Schatten keine Sonnencreme nötig ist, ist schlichtweg falsch. Wissenschaftliche Experimente zeigen auf, dass auch unter Bäumen oder Sonnenschirmen noch UV-Strahlung ankommt. Am Strand reflektieren Sand und Wasser und im Winter der Schnee die Strahlen, sodass sie die Haut auch im Schatten schädigen können. Wenn Sie sich also fragen, ob man auch im Schatten braun wird, lautet die Antwort: Ja, es dauert womöglich nur etwas länger. Gleiches gilt übrigens für Sonnenbrand. Deswegen sollten Sie auch dann an den Sonnenschutz denken, wenn Sie das direkte Sonnenlicht meiden.
Apropos Sonnenbräune: Es hält sich noch immer das Gerücht, dass braune Haut gesund ist und Sonnenbrand vorbeugen kann. Bei beiden Behauptungen handelt es sich um reine Sonnenschutz-Mythen: Gebräunte Haut bietet keinen ausreichenden Sonnenschutz – es sei denn, Ihnen würde ein Lichtschutzfaktor von 3 oder 4 reichen. Die Bräunung der Haut ist zudem eine Schutzreaktion des Körpers auf die Schädigung durch UV-Strahlen und erhöht das Risiko für Hautkrebserkrankungen. Eine «gesunde Bräune» gibt es also nicht.
Gehören Ernährungstipps auch zu den Sonnenschutz-Mythen?
Es gibt auch Sonnenschutz-Tipps, die nicht auf die Haut, sondern durch den Magen gehen: So behaupten manche, dass sich ein ausreichender Sonnenschutz durch gezielte Ernährung erreichen lässt.
Tatsächlich gibt es Nährstoffe, die sich positiv auf die Haut auswirken und sie damit auch gegen äussere Einflüsse stärken können. Dazu gehören zum Beispiel Beta-Carotin, Lycopin, Vitamin C und E sowie antioxidative Anthocyane und Flavonoide, welche den natürlichen Schutz der Haut vor UV-Strahlung unterstützen können. Sie stecken unter anderem in Mandeln, Tomaten, Beeren oder grünem Tee.
Die Effekte beim Verzehr solcher Lebensmittel sind allerdings so gering, dass der alleinige Sonnenschutz durch diese Ernährung bei Weitem nicht ausreicht, um Schädigungen der Haut zu verhindern. Sich langfristig ausgewogen und entzündungshemmend zu ernähren, kann in puncto Sonnenschutz darum nur eine ergänzende Massnahme sein.