Das Gehör trainieren

«Davon profitiert fast jeder»

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Hörakustik-Meister und Hörtrainer bei Neuroth Fabian Heeg erklärt im Interview, worauf es beim Hörtraining ankommt und für wen es sich eignet.

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Für wen ist ein Hörtraining zu empfehlen?

Grundsätzlich für jeden, der Probleme hat, gut zu verstehen – in Gesellschaft, aber auch in ruhigen Situationen, ob er ein Hörsystem hat oder nicht. Auch für junge Leute, die Probleme haben, sich trotz Nebengeräuschen zu fokussieren, eignet sich das Hörtraining. Nutzer von Hörgeräten profitieren ebenfalls, denn die Gewöhnungszeit ist deutlich kürzer: Ohne Hörtraining kann es acht bis zwölf Monate dauern, bis man sich an ein neues Hörsystem gewöhnt hat. Mit dem Hörtraining rechnet man mit sechs bis zwölf Wochen!

Kann das Hörtraining verlorene Fähigkeiten zurückbringen?

Ja. Wir richten sozusagen die Wahrnehmung im Hirn etwas mehr aufs Hören anstatt aufs Sehen aus und nehmen damit die Hörentwöhnung einfach weg.

Hörentwöhnung – was ist das?

Bei einem schleichenden Hörverlust kann das Gehirn mit der Zeit verlernen, Sprache richtig wahrzunehmen. Die Weiterleitung der Informationen vom Innenohr zum zentralen Nervensystem ist dann gestört und Schall kann im Gehirn nicht mehr richtig verarbeitet werden.

Wie läuft das Hörtraining ab?

In einem ersten Test prüft ein Hörtrainer mit einer speziellen App, ob eine Hörminderung vorliegt: Über Kopfhörer werden Geräusche und Gesprächsszenen eingespielt, die man erkennen und auf einem kleinen Bildschirm entsprechenden Bildern zuordnen soll. Ein zweiter Test zeigt dann, wo eine Hörentwöhnung vorliegt und ob ein Hörtraining eine Verbesserung bringen kann. Dann muss der Getestete Verantwortung übernehmen: Ist er bereit, täglich Zeit in ein Trainingsprogramm zu Hause zu investieren? Ist er es, bekommt er für die Dauer des Programms ein persönlich zugeschnittenes Trainingsprogramm und ein angepasstes Endgerät. In vier Modulen wird das Gehör auf Geräuscherkennung, räumliches Hören, Lautstärkeerkennung und Sprachdifferenzierung trainiert. Das heisst für den Teilnehmer, täglich 90 Minuten konzentriert einer Sprachquelle zuhören, um die Wahrnehmung zu fördern. Nach 90 Minuten fokussiertem Zuhören folgt eine halbe Stunde Entspannungsmusik, um das Gelernte zu festigen. Mindestens vier Wochen muss das Training absolviert werden. Je nach Grad der Entwöhnung kann es auch bis zu acht Wochen dauern, bis das Gehirn Schall wieder besser wahrnehmen kann. Einmal pro Woche wird der Erfolg im Hörcenter kontrolliert.

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Gibt es Fälle, wo man nach dem Training ohne Hörgerät auskommt?

Ja. Es kommt aber stark auf den Hörverlust an. Bei einem leichten oder mittelgradigen Hörverlust sollte nach dem Hörtraining ein Hörsystem zumindest ausprobiert werden, um zu schauen, ob es eine Verbesserung im Alltag bringt. Grundsätzlich verbessern wir mit dem Hörtraining das Sprachverstehen, das heisst, wir brauchen nach dem Hörtraining auch eine geringere Lautstärke. Ob das dem Kunden bereits reicht, entscheidet er selbst

Braucht man irgendwann doch ein Hörsystem?

Der eigentliche Hörverlust, das periphere Gehör, kann mit einem Hörtraining nicht beeinflusst werden. Das zentrale Hören, die Hörverarbeitung, aber schon. Somit kann ein Hörsystem irgendwann zum Thema werden. Die Gewöhnung an ein Hörsystem wird mit dem Hörtraining aber deutlich einfacher.

Kann es zu spät sein für ein Hörtraining?

Wenn jemand 20, 30 Jahre mit einem Hörverlust gelebt hat, kann das Hirn dies nicht mehr kompensieren. Trotzdem können wir mit dem Hörtraining noch eine Verbesserung erreichen

Braucht das Hörtraining Disziplin?

Ja; und Willen! Kunden sollten davon überzeugt sein und es durchziehen. Die ersten zwei Wochen sind meistens hart, aber danach haben viele Spass am Training, wenn sie die Fortschritte sehen.

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