Clifford Lilley über: Was kam nach den 60ern

Modetrends der letzten 100 Jahre – Was trug man früher Teil 2

Die 60er galten bereits als modische Revolution: Unvorstellbar, dass sich Mode noch weiter entwickeln könnte. Im Teil 2 unserer Modereportage erfahren Sie wie die 70er und die Folgejahre dennoch alles Vorangegangene in den Schatten stellten.

Foto: © Izabela Arsovska-Braukmann

Dem Vietnamkrieg begegnete man in der Mode mit ausgefallenen Mustern und Schnitten in der Flower-Power Bewegung. Die Ölkrise ebnete der Mode den Weg «zurück zur Natur» mit selbst Gehäkeltem und Patchwork. Mit vielen unterschiedlichen modischen Gegenströmen, wie dem Military Trend, den Punks oder dem Disco Glam waren die 70er noch weit facettenreicher als alles zuvor.

Hotpants und folkloristische Elemente, grelle und gewagte Outfits mit grossen Brillen und interessanten Motiven prägten die 70er. Was sind für Dich die Mode-It-Pieces der 70er?

Die 70er waren unglaublich! Ich war zu der Zeit in Rom und habe Plateauschuhe gekauft - das war undenkbar für einen Mann - und ein fantastisches Patchwork Denim-Outfit. Ich dachte: Was sagen die da, wenn ich zurück nach Südafrika komme, aber ich fühlte mich grossartig! Das hat mich in meinen jungen Jahren viel Mut gekostet, damit auf die Strasse zu gehen, denn ich bin in einem Kaff am Meer aufgewachsen. Dort wimmelte es vor uniformierten Matrosen und dann stand ich da - mit meiner bunten Hose. Alle reagierten mit: Wow, begeistert, eifersüchtig - die Jacke ist sogar geklaut worden.

Schulterpolster und Rüschenblusen, die 80er kämpfen modetechnisch eher mit Beliebtheit. Was hast Du vor Augen, wenn Du an die Mode der 80er denkst?

Ich denke an Maggie Thatcher und sehe die Zeit als Epoche der Powerfrauen an. Diese Power drückte sich auch in der Mode aus mit den weit ausladenden Schultern für einen Frauen-Powerlook, am besten noch mit einer Riesenschleife an der Bluse. Alles war irgendwie überdimensioniert, die extreme Oversize-Mode - die man ja heute wieder sieht - hatte in den 80ern ihren Ursprung. Die Big Blazers, so unförmig. Auch für die Männer war alles so gerade geschnitten mit den breiten Bundfaltenhosen, die bis in die 90er in waren. Ich möchte fast sagen alles war «Too Much»: diese gewaltigen Frisuren und die dicken Make-up-Schichten in schrillen Farben, die Riesenohrringe...

Foto: © Izabela Arsovska-Braukmann

Die 90er: Endlich dürfen Männer auf den Laufsteg, doch was trugen Sie? Wie hast Du die 90er erlebt?

In den 90ern kam Aids/HIV auf, die Leute mussten überdenken, wie sie leben, es lag so etwas wie eine Trauer in der Luft. Es gab mehr Angst vor dem Tod, damit ging diese euphorische Stimmung der 70er und 80er zu Ende. Als Reaktion ist die Mode minimalistisch geworden: Schwarz kam gross raus, der Grunge-Look und die ganze Bewegung darum. Viel schwarzer Kajal um die Augen, schwarz gefärbte Haare, schwarze Turnschuhe, schwarze Hemden. Schwarz hat man früher nicht getragen, nur zur Beerdigung oder einem formellen Anlass. Ich konnte mich erst nicht daran gewöhnen, ich habe mich von Schwarz distanziert, aber Mode nimmt Dich mit.

Im Grunde genommen ist die Mode innerlicher geworden mit klaren Linien. Gucci und Tom Ford haben dies etabliert. Alles war plötzlich so schmal geschnitten, ein richtiger Körperkult ist entstanden und mit ihm dann sportliche Mode, die geprägt wurde von Marken wie Ralph Lauren und Tommy Hilfiger. Training wurde sehr wichtig und man hat angefangen, von Lifestyle zu sprechen.

Welchen Trend möchtest Du partout nicht wiedersehen?

Aus den 80ern habe ich sehr wenig. Das waren für mich irgendwie schräge Kombis. Mit dem unförmigen Oversize-Look habe ich mich bis heute nicht arrangieren können.

Herzlichen Dank für das Interview!

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