Narben richtig pflegen: Tipps für den Alltag
Wie Sie die häufigsten Fehler vermeiden
Zu früh, zu selten, zu kräftig: Wer Narben pflegen möchte, braucht ein wenig Fingerspitzengefühl – und das passende Wissen. Wir greifen typische Fehler auf und erklären, was Sie stattdessen tun sollten, um die Heilung positiv zu beeinflussen.
Narben pflegen, ohne das Gewebe zu überlasten
Frisches Narbengewebe ist empfindlich. Spannung, Zug, Druck und Reibung können es reizen und den Heilungsprozess beeinträchtigen. Verzichten Sie daher zunächst auf enge oder scheuernde Kleidung. Prüfen Sie beim Anziehen, ob der Stoff eng auf der betroffenen Stelle aufliegt oder bei Bewegung daran reibt. Juckt die Narbe, sollten Sie sie nicht aufkratzen. Dabei entstehende Hautverletzungen können Infektionen oder Wundheilungsstörungen begünstigen und sich auf die Narbenbildung auswirken.
Auch intensiver Sport, Dehn- und Kräftigungsübungen oder das Heben schwerer Lasten können das Gewebe stark beanspruchen. Reduzieren Sie solche Belastungen anfangs und steigern Sie sie später behutsam. Wie lange Schonung nötig ist, ist unter anderem von Lage und Grösse der Narbe abhängig. Befolgen Sie vor allem nach einer Operation die ärztlichen Vorgaben.
Absolute Ruhe ist aber nicht erforderlich: Kontrollierte, angepasste Bewegung unterstützt die Durchblutung und kann damit auch für die Heilung von Narben förderlich sein, sofern medizinisch nichts dagegenspricht. Entscheidend ist vor allem, die Stelle nicht übermässig zu dehnen.
Frische Narben konsequent vor Sonne schützen
Wer Narben richtig pflegen will, sollte auch an den Sonnenschutz denken. Junges Narbengewebe reagiert nämlich besonders empfindlich auf UV-Strahlung. Daher kann intensive Sonne das Gewebe schädigen, seine Regeneration beeinträchtigen und bleibende Pigmentveränderungen hervorrufen. So kann die Narbe beispielsweise dunkler werden oder sich stärker von der umliegenden Haut abheben.
Meiden Sie daher besonders in den ersten sechs bis zwölf Monaten direkte Sonneneinstrahlung und Solarien. Am besten ist es, wenn Sie die betroffene Stelle bedecken: Besonders gut schützen spezielle UV-Schutzkleidung sowie dunkle, dicht gewebte Stoffe. Leichte Baumwolle hält die Strahlung dagegen nicht immer zuverlässig ab. Auch ein geeignetes Pflaster ist je nach Körperstelle hilfreich.
Zusätzlich empfiehlt sich bei geschlossenen Narben ein Sonnenschutz in Form von Sonnencreme oder spray mit Lichtschutzfaktor 50 oder höher. Da sich Narben bis zu zwei Jahre lang entwickeln können, kann je nach Verlauf auch ein längerer Schutz sinnvoll sein.
Narben regelmässig pflegen ‒ aber nicht zu früh
Nicht jede verheilte Stelle benötigt eine umfangreiche Narbenpflege. Ist das Gewebe jedoch trocken, spannt oder verhärtet es sich, sollten Sie geeignete Pflegemittel verwenden, um die Haut geschmeidig zu halten.
Allerdings sollten Sie Narben erst dann pflegen, wenn die Wunde vollständig geschlossen, trocken und schorffrei und gegebenenfalls vorhandene Fäden oder Klammern entfernt worden sind. Tragen Sie das Pflegemittel – etwa ein Narbengel oder eine Salbe – dann entsprechend den Anwendungshinweisen auf. Wichtig ist dabei die Regelmässigkeit, damit die gewünschte Wirkung auch eintreten kann. Hier ist also etwas Ausdauer gefragt.
Ähnlich verhält es sich mit der Narbenmassage, mit der Sie die Elastizität des Gewebes fördern können: Beginnen Sie damit erst dann, wenn die Narbe ausreichend stabil ist. Lassen Sie sich die geeignete Technik am besten von einer medizinischen Fachkraft zeigen. Streichen Sie anfangs nur sanft über die Stelle und erhöhen Sie den Druck später vorsichtig. Regelmässige, behutsame Massagen sind meist sinnvoller als seltenere mit viel Druck.
Ausgewogen essen, auf Nikotin und Alkohol verzichten
Für die Heilung von Narben benötigt der Körper Energie und verschiedene Nährstoffe. So liefern etwa Proteine wichtige Bausteine für das Zellwachstum und die Bildung von Bindegewebe, während Vitamin C die Kollagenbildung fördert und Zink die Wundheilung unterstützt. Achten Sie daher auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiss. Stellen Sie ausserdem sicher, ausreichend viel zu trinken, um den Nährstofftransport und die Durchblutung des Gewebes zu unterstützen.
Verzichten Sie während des Heilungsprozesses bei Narben möglichst auf das Rauchen. Es beeinträchtigt die Durchblutung und erhöht das Risiko für Wundheilungsstörungen und Infektionen. Auch Alkohol kann die Immunabwehr, die Bildung neuer Blutgefässe und die Kollagenproduktion ungünstig beeinflussen. Daher ist es ratsam, den Konsum zu reduzieren oder möglichst ganz einzustellen.
Narben in Ruhe abheilen lassen
Narbenheilung benötigt Zeit. Bis eine Narbe ihr endgültiges Erscheinungsbild erreicht, vergehen häufig sechs bis zwölf Monate; manchmal dauert der Prozess bis zu zwei Jahre. Wie schnell er abläuft, hängt unter anderem von der Tiefe, Grösse und Lage der Wunde sowie vom Alter, der Veranlagung und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Wenn Sie Narben pflegen, sollten Sie daher keine schnellen Veränderungen erwarten. Bleiben Sie geduldig und setzen Sie sich nicht unter Druck, wenn das Gewebe nicht sofort blasser, flacher oder weicher wird. Auch bei konsequenter Pflege kann eine Narbe sichtbar bleiben.
Beobachten Sie die Entwicklung in aller Ruhe. Verändert sich die Narbe plötzlich, nehmen Beschwerden zu oder sind Sie wegen des Verlaufs unsicher, holen Sie zur Sicherheit medizinischen Rat ein.