«Homöopathie gibt dem Körper eine Anleitung zur Selbstheilung»

Im Gespräch mit Homöopathin Karin Reinhart

Die Homöopathie hilft dem Körper, sich selber zu heilen. Die Resultate sind verblüffend – obwohl in hochpotenzierten homöopathischen Mitteln kein Wirkstoff nachgewiesen werden kann. Homöopathin Karin Reinhart erklärt, wie Globuli hergestellt werden und was sie bewirken.

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Infobox zu Karin Reinhart

Karin Reinhart ist eidg. dipl. Apothekerin und Doktorin der Naturwissenschaften. Aufgrund positiver Selbsterfahrungen mit der Homöopathie hat sie nach ihrer Erstausbildung die Ausbildung zur klassischen Homöopathin SAGH absolviert. Heute hat sie ihre eigene Praxis für klassische Homöopathie in Erlenbach und gibt ihr Wissen als Gastreferentin an der ETH Zürich an angehende Pharmazeuten weiter.

Frau Reinhart, woraus bestehen homöopathische Mittel?

Die Basis homöopathischer Mittel bilden oft Pflanzen. Aber auch aus Mineralien wie Kochsalz, Metallen wie Gold, tierischen Stoffen wie Sepia-Tinte und seltener aus Chemikalien können homöopathische Mittel hergestellt werden.

Um ein homöopathisches Arzneimittel herzustellen, verreibt man ganz wenig des Wirkstoffes zusammen mit Milchzucker mithilfe eines Mörsers. Für eine C-Potenz beispielsweise nimmt man einen Teil der Pflanze, zum Beispiel Arnika, und 99 Teile Milchzucker. Das verreibt man eine Stunde lang. Danach wiederholt man den Vorgang zweimal. Von da an kann man flüssig weiterpotenzieren, also durch Verdünnen und Verschütteln. Die Verreibung wird von Hand gemacht.

 

Ist in dem Mittel überhaupt noch etwas von dem Wirkstoff drin, wenn man es so oft verdünnt?

Nein, bei den homöopathischen Hochpotenzen kann der Wirkstoff mit bekannten Analysemethoden nicht nachgewiesen werden. Wir können rein naturwissenschaftlich nicht erklären, wieso Homöopathie wirkt. Homöopathische Mittel geben dem Körper einen Impuls. Die Wirkung dieses Impulses können wir beobachten. Aber den Weg bis dahin kennen wir nicht.

Ein schönes Bild ist das eines Liebesbriefes: Sie bekommen durch den Brief eine Information. Deshalb bekommen Sie Herzflattern oder erröten. So ähnlich ist es bei der Homöopathie: Sie gibt dem Körper eine Information und er reagiert darauf. Das Medikament ist also eine Anleitung für den Körper zur Selbstheilung. Es bekämpft nicht die Symptome einer Krankheit, sondern hilft dem Körper, diese selber zu heilen.

 

Und wie finden Sie heraus, welcher Wirkstoff jemandem hilft?

Die Grundlage der Homöopathie ist die Arzneimittelprüfung: Gesunde Leute nehmen einen Wirkstoff über mehrere Tage oder Wochen ein und notieren minutiös, welche Symptome sie dabei entwickeln. Das sind dann die Symptome, die der Wirkstoff heilen kann.

Bereits bei einer Verreibung können mittelspezifische Symptome beobachtet werden. Ich habe selber an einer Verreibung teilgenommen. Es war eindrücklich: Wir, etwa 12 Leute, haben während drei Stunden etwas verrieben, von dem wir nicht wussten, was es war. Trotzdem wurden verschiedene Teilnehmende total unruhig und zeigten weitere Symptome, die das Mittel Rhus toxicodendron heilen kann.

Wir Homöopathen orientieren uns an der sogenannten Materia Medica. Dies sind Bücher verschiedener Autoren, in denen für jeden Wirkstoff steht, welche Symptome er in der Arzneimittelprüfung auslöst, welche Vergiftungssymptome seine materielle Form verursacht und welche klinischen Symptome er geheilt hat.

 

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Bereits bei einer Verreibung können mittelspezifische Symptome beobachtet werden. Ich habe selber an einer Verreibung teilgenommen. Es war eindrücklich: Wir, etwa 12 Leute, haben während drei Stunden etwas verrieben, von dem wir nicht wussten, was es war. Trotzdem wurden verschiedene Teilnehmende total unruhig und zeigten weitere Symptome, die das Mittel Rhus toxicodendron heilen kann.

Wir Homöopathen orientieren uns an der sogenannten Materia Medica. Dies sind Bücher verschiedener Autoren, in denen für jeden Wirkstoff steht, welche Symptome er in der Arzneimittelprüfung auslöst, welche Vergiftungssymptome seine materielle Form verursacht und welche klinischen Symptome er geheilt hat.

 

Wie gehen Sie vor, wenn ich zum Beispiel mit einem Hautausschlag zu Ihnen in die Praxis komme?

Als erstes sprechen wir über Ihren Ausschlag und über die dazugehörige schulmedizinische Diagnose, falls es eine gibt. Nachher mache ich eine Kopf-zu-Fuss-Anamnese. Denn Homöopathie ist ein ganzheitliches Verfahren. Ich frage Sie also nicht nur nach Ihrer Haut, sondern berücksichtige zum Beispiel auch den Kopf, den Bauch und die Verdauung. Meine Fragen reichen von „Welche Lebensmittel vertragen Sie nicht gut?“ bis hin zu Gemütsfragen wie „Haben Sie Angst vor Spinnen?“ Ich mache mir also ein ganzheitliches Bild von Ihnen, schaue nicht nur Ihre Hautsymptome an.

Die Ausnahme sind einfachere Probleme wie ein Husten. In diesem Fall schaue ich hauptsächlich die Hustensymptome genau an. Es reicht mir nicht zu wissen, dass jemand hustet. Ich muss beispielsweise auch herausfinden, ob er nur nachts hustet oder ob der Husten an der frischen Luft besser wird. Damit ich das passende Mittel finde, muss ich immer ein vollständiges Symptom haben.

 

Können Sie allen Ihren Patienten helfen?

Homöopathie funktioniert oft, aber nicht immer. Gemäss meiner Erfahrung sowie derer meiner Berufskollegen wirken die Mittel in ungefähr 80 Prozent der Fälle. Nicht immer handelt es sich dabei um eine komplette Heilung. Oft lassen sich die Beschwerden jedoch lindern.

Mit meinen Behandlungen habe ich immer wieder kleine und grosse Erfolge. Wenn zum Beispiel ein Kind plötzlich schlafen kann, das zuvor wochenlang die ganze Familie wachgehalten hat, dann ist das wirklich schön und macht mir Freude.

 

Setzen Sie ganz auf Homöopathie oder vertrauen Sie auch in die Schulmedizin?

Ich halte eine sinnvolle Kombination aus Schulmedizin und Homöopathie für die beste Lösung für alle, auch für den Patienten. Denn die Homöopathie kann auch nicht alles. Braucht zum Beispiel jemand Insulin, weil der Körper selbst kein oder zu wenig Insulin produziert infolge einer Zerstörung der insulinproduzierenden Beta-Zellen, dann können wir das nicht einfach nur homöopathisch behandeln. Doch die Kombination der beiden Disziplinen erzielt teilweise sehr gute Resultate.

 

Und zum Schluss noch etwas Persönliches: Sie selber haben durch Selbsterfahrungen zur Homöopathie gefunden. Erzählen Sie uns davon?

Ja, ich hatte zwei eindrückliche Selbsterfahrungen mit der Homöopathie, bevor ich meine homöopathische Ausbildung begann: In meiner zweiten Schwangerschaft konnte ich von einem Tag zum nächsten plötzlich nicht mehr schlafen, wollte jedoch keine Medikamente nehmen. Also rief ich einen Homöopathen an. Ich erklärte ihm meine Symptome und bekam drei Tage später per Post die passenden Globuli. Ich nahm sie – und schlief wieder. Das war beeindruckend. Einige Zeit später hörte mein anderthalbjähriger Sohn durch Globuli innerhalb einer halben Stunde auf zu husten, nachdem vorher jeder Hustensirup versagt hatte. Da wusste ich, dass ich mehr über die Homöopathie lernen wollte.

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Welche Leiden Sie selber mit homöopathischen Globuli behandeln können, erfahren Sie hier.

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