Gebrauchtwagen-Check vor dem Kauf
Das ist bei Besichtigung und Probefahrt wichtig
Welche Anzeichen deuten auf Schäden hin, wie lässt sich die Technik überprüfen und worauf kommt es beim Fahrverhalten an? Wir geben Tipps, was Sie beim Gebrauchtwagen-Check vor Ort beachten sollten und wann ein professioneller Test sinnvoll ist.
Was sollten Sie aussen am Gebrauchtwagen prüfen?
Ein Occasionsauto sollten Sie nie ungesehen kaufen. Besichtigen Sie es daher vor Ort, bevor Sie bei Gefallen eine Probefahrt unternehmen. Planen Sie für den Gebrauchtwagen-Check ausreichend Zeit ein und schauen Sie sich das Auto möglichst bei Tageslicht und trockenem Wetter an. Idealerweise begleitet Sie eine fachkundige Person. Notieren Sie bei der Inspektion alles, was Ihnen auffällt. So können Sie mögliche Mängel anschliessend mit dem Verkäufer klären und bei der Preisverhandlung berücksichtigen.
Vergleichen Sie als Erstes die Fahrgestellnummer am Fahrzeug mit der Nummer im Fahrzeugausweis und in den übrigen Unterlagen. Stimmen diese Angaben überein, gehen Sie einmal um das Fahrzeug herum und betrachten Sie die Karosserie aus verschiedenen Blickwinkeln. Achten Sie auf Beulen, Kratzer, Roststellen oder Steinschläge. Unterschiedliche Lacktöne und ungleichmässige Spaltmasse können auf frühere Schäden oder Reparaturen hinweisen. Prüfen Sie auch, ob Scheiben und Leuchten unbeschädigt sind und sich Türen, Motorhaube und Kofferraum problemlos öffnen, schliessen und verriegeln lassen.
Den Unterboden können Sie ohne Hebebühne zwar nur eingeschränkt beurteilen. Schauen Sie dennoch von mehreren Seiten unter das Auto und kontrollieren Sie den Boden darunter auf Öl- oder Kühlmittelflecken. Sichtbare Roststellen am Unterboden und bei Verbrennern am Auspuff sollten Sie ebenfalls notieren.
Begutachten Sie abschliessend alle vier Räder: Eine ungleichmässige Abnutzung der Reifen kann auf Probleme mit Stossdämpfern oder Lenkgeometrie hindeuten. Ermitteln Sie anhand der DOT-Nummer auf der Reifenflanke das Alter der Pneus. Fachleute empfehlen, Reifen nach spätestens acht Jahren zu ersetzen. Messen Sie zudem die Profiltiefe an mehreren Stellen: Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter ‒ liegt der Wert nur knapp darüber, müssen Sie bald mit Kosten für neue Reifen rechnen. Auch Risse und Beulen an den Reifenflanken sowie tiefe Riefen, ausgeprägte Ränder oder starke Rostbildung an den Bremsscheiben sollten Sie beim Verkäufer ansprechen.
Worauf kommt es im Innen- und Motorraum an?
Schauen Sie sich bei der Besichtigung auch genau im Wageninneren um: Der Pflegezustand sollte zum angegebenen Kilometerstand passen. Stark abgenutzte Sitze, ein abgegriffenes Lenkrad oder verschlissene Pedale sollten Sie insbesondere bei geringer Laufleistung hinterfragen. Das Gleiche gilt für Beschädigungen, Feuchtigkeit und Wasserspuren im Innen- und Kofferraum.
Zur Gebrauchtwagen-Checkliste gehören auch das Testen der Sitzverstellung, Sicherheitsgurte, Anzeigen, Beleuchtung, Fensterheber, Scheibenwischer, Heizung, Klimaanlage und eines vorhandenen Infotainmentsystems. Die Klimaanlage sollte nach kurzer Zeit kalte Luft liefern, ohne modrig zu riechen oder ungewöhnliche Geräusche zu verursachen. Auch vereinbartes Zubehör sowie ein vorhandenes Reserverad oder Reifenreparaturset sollten vollständig sein.
Bei einem Verbrenner setzen Sie den Gebrauchtwagen-Check unter der Motorhaube fort: Motor und Umgebung sollten trocken, Schläuche und Kabel intakt und die Batteriepole frei von Korrosion sein. Ziehen Sie auch den Ölmessstab heraus: Milchiges oder flockiges Öl sollten Sie abklären.
Was gehört beim E-Auto zum Gebrauchtwagen-Check?
Bei Elektroautos gibt es einige Extrapunkte auf der Gebrauchtwagen-Checkliste. Diese betreffen unter anderem die Ladevorrichtung: Lässt sich die Ladeklappe problemlos öffnen und schliessen? Sind Ladebuchse, Stecker und Ladekabel frei von sichtbaren Schäden und Korrosion und alle vereinbarten Kabel vorhanden? Probieren Sie ausserdem nach Möglichkeit einen echten Ladevorgang aus. Das Kabel sollte sich korrekt anschliessen lassen und der Ladevorgang ohne Fehlermeldung starten.
Ein weiterer wesentlicher Punkt beim E-Auto ist der Zustand der Hochvoltbatterie. Um diesen einschätzen zu können, sollten Sie sich – falls vorhanden – ein unabhängiges Batteriezertifikat zeigen lassen. Es sollte Angaben zum sogenannten «State of Health» (SOH), also zur noch verfügbaren Batteriekapazität, enthalten. Liegt kein Zertifikat vor, kann es sinnvoll sein, die Batterie des Gebrauchtwagens professionell testen zu lassen. Angebote dafür gibt es unter anderem beim Touring Club Schweiz (TCS).
Schauen Sie sich darüber hinaus die Bremsscheiben an: Durch die Rekuperation werden die mechanischen Bremsen oft weniger beansprucht und können dadurch verstärkt Rost ansetzen.
Worauf sollten Sie bei der Probefahrt achten?
Verzichten Sie bei einem Gebrauchtwagen nicht auf die Probefahrt. Nehmen Sie sich Zeit und fahren Sie innerorts, über Land und möglichst auch auf der Autobahn. Beginnen Sie bei einem Verbrenner mit dem Motorstart: Der idealerweise noch kalte Motor sollte problemlos anspringen und im Leerlauf ruhig und ohne auffällige Geräusche laufen. Ein E-Auto sollte gleichmässig und vibrationsfrei beschleunigen. Bei beiden Fahrzeugtypen sollte das Cockpit nach dem Start natürlich keine Warn- oder Fehlermeldungen dauerhaft anzeigen.
Achten Sie während der Fahrt auf Lenkung und Fahrwerk: Das Auto sollte auf ebener Strecke die Spur halten, präzise reagieren und weder vibrieren noch poltern oder knacken. Bei einem Schaltgetriebe sollten sich alle Gänge leicht einlegen lassen und die Kupplung ohne Rucken oder Schleifen arbeiten. Ein Automatikwagen sollte ohne Ruckeln, Verzögerung oder ungewöhnliche Geräusche anfahren und die Gänge wechseln.
Testen Sie auf einer geeigneten Strecke vorsichtig die Bremsen: Der Wagen sollte gleichmässig verzögern, nicht zur Seite ziehen und weder quietschen noch am Lenkrad vibrieren. Auch die Feststellbremse sollte einwandfrei funktionieren. Beim E-Auto sollten Sie zusätzlich prüfen, wie stark das Fahrzeug beim Loslassen des Fahrpedals abbremst, und gegebenenfalls verschiedene Rekuperationsstufen ausprobieren. Kontrollieren Sie, soweit möglich, auch vorhandene Assistenzsysteme.
Wann sollten Sie einen Gebrauchtwagen testen lassen?
Auch wenn Sie beim Gebrauchtwagen-Check sorgfältig vorgehen: Versteckte technische Mängel sind für Laien selten zu erkennen. Fallen Ihnen mehrere Schwachstellen auf, bleiben Fragen offen oder haben Sie einfach ein ungutes Gefühl, sollten Sie vor einem Kauf einen unabhängigen Gebrauchtwagen-Test, etwa beim TCS, durchführen lassen. Das Ergebnis hilft Ihnen, einen eventuellen Reparaturbedarf einzuschätzen, den Fahrzeugpreis einzuordnen und einen fundierten Kaufentscheid zu treffen.