Jodeln: Eine Schweizer Tradition, die verbindet

Karin Niederberger-Schwitter im Interview

Jodeln verbindet Menschen und schafft Gemeinschaft. Die Zentralpräsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands, Karin Niederberger-Schwitter, verrät im Interview, warum die Begeisterung für die traditionelle Gesangsform nicht abreisst.

Foto: Gody Studer, Eidg. Jodlerfest Basel

Jodeln erlebt – nicht zuletzt auch durch die UNESCO-Anerkennung als immaterielles Kulturerbe – wieder eine ganz neue Form der Beachtung. Spüren Sie diesen neuen Zuspruch im Verband?

Das Jodeln hat nie an Beachtung verloren, aber die UNESCO-Anerkennung hat das Jodeln weiter ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Würdigung gilt allen Jodlerinnen und Jodlern, die das Jodeln seit über 100 Jahren leben, pflegen und weitergeben, und öffnet hoffentlich neue Türen.

Was braucht es, damit sich auch junge Menschen immer wieder neu für das Jodeln und die Tradition begeistern?

Hier leisten die Unterverbände, insbesondere die Leiterinnen und Leiter der Kinderchöre, seit vielen Jahren sehr wichtige Arbeit – das ganze Jahr, aber auch mit Schnupperwochenenden in allen Unterverbänden für alle drei Sparten (Anm. d. Red.: Jodeln, Alphorn-/Büchelblasen und Fahnenschwingen). Das Jugendchorlager hat sich etabliert und ist eine Chance, dass sich die Jugendlichen schweizweit vernetzen. Im Verband schaffen wir Rahmenbedingungen, um die musikpädagogische Arbeit nachhaltig zu sichern. Wir hoffen, dass im schulischen Umfeld das Bedürfnis nach Singen und Chorgesang stärker wahrgenommen wird – auch im Projekt «Das jodelnde Klassenzimmer».

Die positiven Auswirkungen des Singens auf Körper und Geist sind gut belegt. Gilt das Ihrer Meinung nach auch für das Jodeln? Und welche Rolle spielt dabei die Gemeinschaft?

Jodeln wirkt sich genauso wie anderes Singen positiv auf Körper, Geist und Seele aus, oft zusätzlich verstärkt durch den sozialen Kontext und die Gemeinschaftserfahrung. Wer jodelt oder singt – es braucht nicht nur Jodler, sondern auch Begleitstimmen, die ebenso wichtig sind – kann die gesundheitlichen Vorteile besonders gut nutzen und ist voll in eine starke Gemeinschaft integriert.

Können Sie für Laien erklären, was beim Jodeln eigentlich stimmlich passiert?

Kurz gesagt: Man wechselt schnell zwischen zwei Stimmregionen, der Bruststimme und der Kopfstimme.

Wenn sich jemand mit dem Singen schwertut, kann dann das Jodeln dennoch eine Alternative sein oder braucht man ein besonderes musikalisches Talent?

Ja, Jodeln kann eine gute Alternative sein, auch wenn man mit dem Singen allgemein Schwierigkeiten hat. Man braucht kein besonderes musikalisches Talent, aber die Bereitschaft zu lernen und regelmässig zu üben. Und natürlich Freude am Schweizer Kulturgut.

Die Szene wird durch Einflüsse aus anderen Musikrichtungen wie zum Beispiel Jazz, Blues oder Rap immer vielfältiger. Wie gelingt für Sie der Spagat zwischen der Bewahrung der Tradition und modernen Interpretationen des Jodelns?

Wir pflegen im Verband den traditionellen Jodelgesang. Auch wenn immer wieder verschiedene Kombinationen ausprobiert wurden und werden, hat der EJV mit der Vision, dem Leitbild und den Statuten einen klaren Auftrag von der Basis, und diesen gilt es natürlich einzuhalten.

Wenn Sie jemanden, der noch nie gejodelt hat, mit einem Satz überzeugen müssten: Warum sollte er oder sie es einfach einmal ausprobieren?

Jodeln ist eine der schönsten Arten, seine Gefühle auszudrücken, sich zu stärken, Geist und Seele aufzutanken, mit Kameradinnen und Kameraden die Gemeinschaft zu pflegen, andere Menschen mit einem Konzert glücklich zu machen und ein Strahlen in die Gesichter zu zaubern.

Was raten Sie Interessierten: Wie und wo gelingt der Einstieg?

Am besten setzen sich Interessierte mit einem Jodlerklub in der Nähe in Verbindung, um einen Schnupperkurs zu finden. Unter www.ejv.ch gibt es immer auch ausgeschriebene Kurse der Unterverbände.

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