Weinmythen im Check
3 populäre Wein-Faustregeln auf dem Prüfstand
Älterer Wein ist immer besser als ein junger Jahrgang, Rotwein muss Zimmertemperatur haben und das falsche Glas verdirbt den Genuss – wir haben für Sie drei der weit verbreitetsten Weinmythen auf Herz und Nieren geprüft.
Mythos Nr. 1: Guter Wein braucht immer Zeit
Dieser Mythos entspricht nicht der Wahrheit, denn längst nicht jeder Wein profitiert von jahrelanger Lagerung. Einige der edlen Tropfen sind bereits jung trinkreif und verlieren durch zu langes Lagern sogar an Qualität. Andere Weine entwickeln hingegen erst mit zunehmendem Alter mehr Tiefe und Komplexität. Entscheidend sind unter anderem Rebsorte, Herstellung und Lagerung. Sauvignon Blanc und Gamay sind beispielsweise eher für den Genuss in jungen Jahren geeignet, während bestimmte Rieslingsorten oder Barolo ein deutlich grösseres Reifepotenzial haben.
Unser Tipp: Wer unsicher ist, ob ein älterer Jahrgang noch trinkbar ist oder sogar noch ein paar Jahre Lagerung benötigt, kann sich an einer Jahrgangstabelle orientieren, zum Beispiel an der SCHULER VinAgenda. Sie bewertet die vergangenen 20 Jahrgänge wichtiger Weinregionen und Sie können auf einen Blick prüfen, ob Sie einen Wein zu einem besonderen Anlass öffnen oder lieber im Weinregal aufbehalten sollten.
Mythos Nr. 2: Rotwein muss Zimmertemperatur haben
Dieser Mythos ist wohl der gängigste in der Weinwelt. Zwar ist diese klassische Empfehlung grundsätzlich nicht falsch, stammt jedoch aus einer Zeit, in der die Zimmertemperatur in der Regel deutlich niedriger lag als heute, nämlich bei um die 16 bis 18 °C. Bei heutiger Zimmertemperatur (21 bis 22 °C) kann der Alkohol im Rotwein sich verflüchtigen und tiefere Aromen überdecken. Der Wein schmeckt dann «plump».
Daher gilt: Selbst Rotwein darf gerade im Sommer vor dem Servieren gekühlt werden. Holen Sie ihn dann einfach etwa 30 bis 40 Minuten vor dem Geniessen aus dem Kühlschrank. Auch Weisswein sollte übrigens nicht eisgekühlt serviert werden, da er so seine subtilen Aromen verliert.
Mythos Nr. 3: Das falsche Glas verdirbt den Weingenuss
In diesem Mythos steckt von allen drei Mythen am meisten Wahrheit, denn die Wahl des Weinglases macht durchaus einen Unterschied. Die Glasform entscheidet in vielen Fällen darüber, wie sich die Aromen im Glas sammeln und wie der Wein an Nase und Gaumen bzw. die Zunge gelangt. Für unterschiedliche Weinstile gibt es daher auch unterschiedliche Glasformen. Junge, fruchtbetonte Rotweine benötigen ein weniger voluminöses Glas, während samtige, üppige Rotweine in einer bauchigen Tulpe am besten zur Geltung kommen. Tanninbetonte Weine benötigen im Idealfall ein Glas mit einem grossen Volumen, das deutlich in die Länge gezogen ist. Riesling schmeckt besonders gut aus einem Glas mit in der Mitte leicht schliessender Form, Chardonnay aus einem Glas mit breitem Boden, bei dem der Kelch sich nach oben hin verjüngt.
Unser Tipp: Wenn Sie sich genauer für die Unterschiede interessieren, wagen Sie einfach zuhause den Selbstversuch. Probieren Sie den gleichen Wein aus sehr unterschiedlichen Gläsern und beobachten Sie, wie sich der Geschmack dadurch verändert.