Microgreens und Sprossen selbst ziehen
Tipps zu Saatgut, Anzuchtmethoden und Hygiene
Samen, Behälter und Platz auf der Fensterbank: Viel mehr braucht es oft nicht, um Microgreens und Sprossen selbst zu ziehen. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, worauf Sie bei Samen, Anzucht und Hygiene achten sollten.
Saatgut: die richtigen Sprossensamen
Um Sprossen und Microgreens selbst ziehen zu können, benötigen Sie geeignetes Saatgut. Greifen Sie dabei nicht zu gewöhnlichen Samen für den Garten, sondern kaufen Sie spezielle Microgreens- oder Sprossensamen, die explizit als Keimsaat angeboten werden. Diese Samen sind zum Keimen vorgesehen und – insbesondere bei Bio-Ware – unbehandelt und frei von Pflanzenschutzmitteln.
Achten Sie zudem auf ein möglichst weit in der Zukunft liegendes Mindesthaltbarkeitsdatum, da älteres Saatgut oft schlechter keimt. Bei der Wahl der Sorten können Sie Ihrem persönlichen Geschmack folgen. Für Einsteiger eignen sich zum Beispiel Alfalfa, Erbsen oder Kresse. Wichtig ist, keine Samen von Pflanzen zu verwenden, die im Keimstadium ungeniessbar oder giftig sein können. Dazu zählen unter anderem Nachtschattengewächse wie Tomaten (https://www.consumo.ch/news-essen-trinken/tomaten-selbst-anbauen-so-gehts-6209), Kartoffeln, Peperoni oder Auberginen.
Keimglas, Anzuchtschale und Co.: passende Materialien
Je nachdem, ob Sie Sprossen oder Microgreens ziehen möchten, eignen sich unterschiedliche Gefässe und Untergründe. Viele verwenden für die Anzucht von Sprossen ein Keimglas. Das kann ein mit einem feinen Sieb oder einem Stück Gaze abgedecktes Einmachglas sein oder auch ein spezielles Sprossenglas, das je nach Modell über einen Belüftungsdeckel oder ein integriertes Sieb verfügt. Auch Keimgeräte oder Keimschalen, bei denen die Samen auf einem Sieb liegen und dadurch leichter gespült werden können, bieten sich an, sind aber nicht zwingend notwendig.
Wer Microgreens anbauen möchte, setzt am besten auf flache Schalen, die sich mit Anzuchterde, Hanf- oder Kokosmatten füllen lassen. Die Erde hat gegenüber den Matten den Vorteil, dass sie in der Regel das Wasser besser speichert. Alternativ können Sie bestimmte Sorten wie Kresse auch auf mehreren Lagen feuchtem Küchenpapier züchten – allerdings neigt dieser Untergrund zur Schimmelbildung. Während der Anbau vieler Sprossensorten theoretisch auch im Dunkeln funktioniert, benötigen Microgreens Licht zum Wachsen, weshalb eine helle Fensterbank ohne direkte Sonneneinstrahlung meist ein idealer Standort ist.
Microgreens und Sprossen ziehen: Schritt für Schritt
Zur Anzucht von Sprossensamen sollten Sie diese zunächst gründlich abspülen und je nach Sorte mehrere Stunden in Wasser einweichen. Beachten Sie dabei – wie auch bei den Microgreens – die Hinweise auf der Saatgutpackung. Anschliessend giessen Sie das Einweichwasser ab und spülen die Samen erneut mit frischem Wasser. Während der Keimphase spülen Sie die Samen bzw. Sprossen ein- bis zweimal täglich mit Wasser und lassen sie danach gut abtropfen. Um Staunässe zu vermeiden, empfiehlt es sich, das Keimglas schräg zu stellen, damit die Luft besser zirkulieren kann. Viele Sprossensorten können Sie schon nach wenigen Tagen ernten.
Bei manchen Microgreens ist das Einweichen des Saatguts ebenfalls sinnvoll, vor allem aber das Wässern der Erde oder der Matten vor dem Aussäen. Verteilen Sie die Samen möglichst gleichmässig auf dem Untergrund und drücken Sie sie leicht an. In den ersten Tagen kann es hilfreich sein, die Schale abzudecken, um eine gleichmässige Keimung zu fördern. Nach drei bis vier Tagen können Sie die Abdeckung entfernen, damit die Jungpflanzen Licht bekommen und weiterwachsen können. Ab diesem Zeitpunkt sollten Sie Microgreens feucht halten, indem Sie diese je nach Sorte alle ein bis zwei Tage besprühen oder vorsichtig von unten giessen.
Pflege und Hygiene: Tipps gegen Schimmel
Eigentlich ist es relativ leicht, Sprossen und Microgreens selbst zu ziehen – wäre da nicht das lästige Thema Hygiene. Durch die warmen und feuchten Wachstumsbedingungen können sich nämlich leicht Schimmelpilze bilden. Um das Risiko zu verringern, sollten Sie Keimgläser, Schalen und andere Materialien sowie Ihre Hände vor jeder Anzucht gründlich reinigen und stets neue Erde oder Anzuchtmatten verwenden.
Vermeiden Sie es ausserdem, die Samen zu dicht auszusäen. Stehen die Keimlinge zu eng, sammelt sich Feuchtigkeit zwischen den Sprossen – für Schimmel ein idealer Nährboden. Deshalb ist auch eine gute Belüftung wichtig.
Entwickeln die Pflänzchen dennoch einen muffigen Geruch oder zeigen sichtbaren Schimmel, sollten Sie sie komplett entsorgen.
Nach der Ernte: Microgreens und Sprossen aufbewahren
Sprossen können Sie oft schon nach wenigen Tagen im Ganzen geniessen. Erkundigen Sie sich aber, ob die jeweilige Sorte zum Rohverzehr geeignet ist. In der Regel reicht es dann, sie vorher einmal gründlich abzuspülen. Microgreens ernten Sie hingegen je nach Sorte erst nach einer bis drei Wochen, indem Sie sie mit einer Schere über der Wurzel abschneiden. Auch sie sollten vor der Weiterverwendung einmal abgespült werden.
Die Keimlinge schmecken frisch geerntet am besten. Sollten Sie sie doch einmal nicht sofort verwenden können, können Sie Microgreens und Sprossen im Kühlschrank aufbewahren. Möglichst luftdurchlässig und trocken verpackt, halten sie sich meist ein bis drei Tage.