Besonders bekömmlich und nährstoffreich?
Was alte Getreidesorten wirklich ausmacht
Alte Getreidesorten gelten oft als besonders nährstoffreich oder bekömmlich. Doch was ist tatsächlich dran? Consumo ordnet die wichtigsten Unterschiede bei Nährstoffen, Verträglichkeit und Verarbeitung ein.
Nährstoffe: Kleine Unterschiede, grosse Vielfalt
Ob Dinkel, Emmer oder Einkorn: Alte Getreidesorten unterscheiden sich je nach Sorte leicht im Gehalt an Ballaststoffen, Eiweiss sowie einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen. Doch für eine ausgewogene Ernährung spielt nicht nur die Getreidesorte eine Rolle. Entscheidend ist auch, ob ein Produkt aus Vollkorn oder aus ausgemahlenem Mehl hergestellt wurde. Vollkornprodukte enthalten alle Bestandteile des Korns und liefern dadurch mehr Ballaststoffe sowie mehr Vitamine und Mineralstoffe als ausgemahlene Getreideprodukte. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) empfiehlt deshalb, Vollkornprodukte zu bevorzugen.
Verträglichkeit: Nicht pauschal besser
Immer wieder wird alten Getreidesorten eine bessere Verträglichkeit als Weizen zugeschrieben. Dafür gibt es jedoch keine allgemeingültigen wissenschaftlichen Belege. Fest steht dagegen: Dinkel, Emmer, Einkorn, Kamut und Waldstaudenroggen enthalten Gluten und sind deshalb für Menschen mit Zöliakie beispielsweise nicht geeignet. Wenden Sie sich bei Beschwerden oder auch bei Fragen am besten an Ihren Arzt und lassen Sie mögliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten medizinisch abklären.
Verarbeitung: Mehr als nur die Getreidesorte
Was Sie ausserdem im Hinterkopf behalten sollten: Die Getreidesorte allein bestimmt nicht die Eigenschaften eines Lebensmittels. Ebenso wichtig sind die Verarbeitung und der Ausmahlungsgrad des Mehls. So können beispielsweise Weiss-, Halbweiss-, Ruch- oder Vollkornmehl aus derselben Getreideart hergestellt werden. Diese unterscheiden sich unter anderem in Geschmack, Farbe und Nährstoffgehalt. Wer Produkte vergleicht, sollte deshalb nicht nur auf die Getreideart achten, sondern auch auf die Produktbezeichnung.
Vielfalt: Ein Plus für die Landwirtschaft
Auch wenn sich gesundheitliche Vorteile alter Getreidesorten nicht pauschal belegen lassen, lohnt sich ihr Erhalt aus einem anderen Grund: Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Sortenvielfalt in der Landwirtschaft. Viele alte Landsorten bringen wertvolle Eigenschaften wie zum Beispiel eine bessere Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten oder Trockenheit mit, die in der Pflanzenzüchtung genutzt werden können. Deshalb arbeiten Forschende und Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz daran, traditionelle Getreidesorten wie Emmer zu erhalten und weiterzuentwickeln.