Wie wirken Sonnenstrahlen auf unsere Haut?

Dermatologe Dr. med. Martin Kägi im Interview

Dass Sonnenbrände schmerzhaft sind, weiss jeder, der schon betroffen war. Aber was passiert, wenn Sonnenstrahlen auf unsere Haut treffen? Und wieso können UV-Strahlen Hautkrebs verursachen? Dr. med. Martin Kägi über Sonnenschutz und Sonnenschäden.

Familie am Strand

Dr. Kägi, können Sie uns erklären, was passiert, wenn Sonnenstrahlen auf die Haut treffen?

Sonnenstrahlen enthalten ein breites Spektrum an sichtbaren und unsichtbaren Strahlen, unter anderem UV-Strahlen. Dringen die UV-Strahlen in die Haut ein, verursachen sie Schäden an den Hautzellen. Sie können die Zellen so stark verbrennen, dass die Haut diese absterben lässt. Dadurch wird die Haut dünner und entzündet sich: Es entsteht ein Sonnenbrand.

Die Haut erholt sich aber ziemlich schnell von einem Sonnenbrand, oder?

Auch wenn die Haut Sonnenbrände repariert, bleiben Schäden im Erbgut der Hautzellen zurück. Denn: Neben den vollständig verbrannten Zellen nehmen weitere Zellen Schaden, und zwar an der Erbinformation. Diese ist in der DNA in der Zelle gespeichert. Da sich Hautzellen laufend teilen, werden die DNA-Schäden an die neuen Zellen weitergegeben. Ein Sprichwort besagt deshalb: Die Haut vergisst nicht. Zu viele DNA-Schäden können zu Hautkrebs führen.

Entstehen auch DNA-Hautschäden wenn man braun ist?

Die Bräunung der Haut ist ein Schutzmechanismus, durch den sich die Haut vor UV-Strahlen schützt. Bei hoher Strahlenbelastung produzieren die Zellen in der Oberhaut das Pigment Melanin. Dieses sehen wir als braune Färbung der Haut. Ein weiterer Schutz ist eine Verdickung der Haut, die sogenannte Lichtschwiele.

Ist man oft in der Sonne, gewöhnt sich die Haut also daran und schützt sich. Dadurch bekommt man länger keinen Sonnenbrand. Sonnenschäden in der DNA entstehen aber auch innerhalb der Eigenschutzzeit der Haut, kein Schutzmechanismen kann dies verhindern. Deshalb ist es extrem wichtig, sich immer vor der Sonne zu schützen, auch wenn man braun ist.

Das klingt alles sehr gefährlich. Gibt es auch positive Wirkungen der Sonne auf die Haut?

Ja, die Sonne hat für uns Menschen positive Effekte. Viele Leute schätzen ihre belebende und aktivierende Wirkung. Zudem wird der grösste Teil des Vitamin D, das Menschen unter anderem für die Reifung der Knochen benötigen, über die Haut gebildet. Dazu braucht es Sonnenstrahlung.

Also ist es doch gesund, die Mittagspause in der Sonne zu verbringen?

Es ist eine Frage der Menge: Durch die ausgewogene Ernährung der heutigen Zeit braucht es lediglich ungefähr 20 Minuten helles Tageslicht, um die Vitamin D-Produktion in der Haut anzuregen. Dazu muss man sich nicht direkt in der Sonne aufhalten – es reicht ein Spaziergang im Freien bei hellem Licht.

Bezüglich Ihrer Mittagspause empfehle ich, immer Sonnencreme aufzutragen. Sonnenschutz ist immer nötig, wenn man länger als ein paar Minuten in der Sonne ist. Es gibt Tagescremes mit Lichtschutzfaktor 30. Diese kombinierten Produkte trägt man am Morgen auf und sie reichen für den Alltag.

Schützt mich Sonnencreme auch den ganzen Tag, wenn ich einen Tag im Freibad verbringe?

Sonnencreme schützt ungefähr zwei Stunden vor der Sonne, danach sollte man nachcremen. Beim Baden im Wasser geht etwa die Hälfte der Schutzwirkung verloren. Selbst von wasserfesten oder wasserresistenten Sonnencremes wäscht das Wasser einen Teil ab. Ich empfehle, auf jeden Fall nach dem Baden nachzucremen.

Und was soll man tun bei Sonnenbrand?

Bei leichten Sonnenbränden, die nicht schmerzen, hilft in der Regel Feuchtigkeitscreme. Wenn man einen stärkeren, schmerzenden Sonnenbrand hat, sollte man einen Arzt aufsuchen. Dieser muss feststellen, um welchen Stärkegrad es sich handelt, um Grad 1, 2 oder 3, mit oder ohne Blasen. Entsprechend wählt der Arzt die Therapie aus.

Dr. Kägi
Foto: Getty Images

Dr. med. Martin Kägi ist Eigentümer und leitender Arzt des HautZentrums Zürich. Seit 1996 ist er Facharzt (FMH) für Dermatologie, Immunologie und Allergologie .

Wie Sie Ihre Kinder optimal vor der Sonne schützen und was hilft, sollten Sie doch einmal einen Sonnenbrand erwischen, erfahren Sie hier.

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